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Wärmepumpe im Altbau: der 55-Grad-Test zeigt, ob es geht

Ja, eine Wärmepumpe funktioniert in den meisten Altbauten, auch mit Heizkörpern und ohne Fußbodenheizung. Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Bestandshäusern vier Jahre lang gemessen und keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz gefunden. Entscheidend ist, wie warm das Heizwasser an kalten Tagen sein muss, die sogenannte Vorlauftemperatur: Reichen 55 Grad, damit alle Räume warm werden, passt eine normale Luft-Wasser-Wärmepumpe. Das können Sie diesen Winter selbst prüfen.

Ervis Prakaj · Energieexperte · Stand Oktober 2026

Auf einen Blick, zum Weitergeben

  • Gemessen: Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandshäusern erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, Erdwärmepumpen 4,3 (Fraunhofer ISE, 77 Anlagen, vier Jahre).
  • Heizkörper: Ausreichend große Heizkörper laufen im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie eine Fußbodenheizung (Fraunhofer ISE). Oft reicht es, einzelne Heizkörper zu tauschen (Verbraucherzentrale).
  • Selbsttest: An einem kalten Tag die Vorlauftemperatur auf 55 Grad begrenzen, alle Thermostate auf „3“. Werden alle Räume warm, ist eine Wärmepumpe problemlos möglich.
  • Förderung: Für bestehende Häuser fördert die KfW den Heizungstausch mit Zuschuss (Programm 458). Der Antrag kommt vor dem Einbau.

Der 55-Grad-Test für Ihr Haus

Eine Wärmepumpe arbeitet umso sparsamer, je kühler das Heizwasser sein darf. Die Verbraucherzentrale nennt 55 Grad als Mindestziel und rechnet: Jedes Grad weniger macht die Wärmepumpe 2 bis 3 Prozent effizienter. Ob Ihr Haus mit 55 Grad auskommt, zeigt ein Versuch mit der Heizung, die Sie heute haben:

  1. Warten Sie auf einen kalten Wintertag.
  2. Begrenzen Sie die Vorlauftemperatur, also die Temperatur des Heizwassers, das zu den Heizkörpern fließt, auf 55 Grad. Das geht an der Regelung des Kessels. Lässt sie sich dort nicht begrenzen, stellt es Ihr Heizungsbauer ein.
  3. Stellen Sie alle Heizkörperthermostate auf „3“.

Das Ergebnis lesen Sie in den Räumen ab, so ordnet es die Verbraucherzentrale ein:

  • Alle Räume werden warm: Eine Wärmepumpe ist problemlos möglich. Das klappt öfter, als viele denken: Heizkörper in Altbauten sind überraschend oft zu groß bemessen, gerade wenn später Fenster oder Dämmung dazukamen.
  • Einzelne Räume bleiben kalt: Vermutlich reicht es, dort die Heizkörper durch größere zu ersetzen.
  • Es bleibt überall zu kühl: Dann wird es ohne zusätzliche Dämmung keinen wirtschaftlichen Betrieb mit Wärmepumpe geben.

Der Test ersetzt keine Planung. Er sagt Ihnen aber, ob sich das Gespräch lohnt, bevor jemand ein Angebot schreibt. Für die Planung wird die Heizlast, also wie viel Wärme jeder Raum am kältesten Tag braucht, Raum für Raum berechnet (DIN EN 12831) und mit der Leistung jedes Heizkörpers bei 55 Grad verglichen. Danach kommt der hydraulische Abgleich, damit jeder Heizkörper so viel Heizwasser bekommt, wie er braucht.

Kein Winter in Sicht? Dann geht es auch ohne Test: Aus dem Gas- oder Ölverbrauch der letzten Jahre, der Wohnfläche und den Maßen Ihrer Heizkörper lässt sich abschätzen, ob die 55 Grad reichen. Genau wird es mit der raumweisen Heizlast. Haben Sie schon ein Angebot, prüfen wir, ob es darauf beruht.

Was die Messung in Bestandshäusern zeigt

Fraunhofer ISE hat im Projekt „WP-QS im Bestand“ 61 Luft-Wasser- und 16 Erdwärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern vier Jahre lang gemessen. Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viel Wärme aus einer Kilowattstunde Strom wird:

BauartMittelSpanne
Luft-Wasser-Wärmepumpe3,42,6 bis 4,9
Erdwärmepumpe4,33,6 bis 5,4

Gerechnet für ein Haus mit 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr: Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,4 braucht die Wärmepumpe rund 5.900 kWh Strom. Bei 2,6, dem schwächsten gemessenen Wert, wären es rund 7.700 kWh. Die 1.800 kWh dazwischen sind keine Frage des Baujahrs, sondern der Planung: Vorlauftemperatur, Größe der Heizkörper, richtig eingestellte Heizkurve. Fraunhofer fand in den Messdaten häufig Planungs- und Einbaufehler.

Rechenbeispiel: Was dieses Haus im Jahr an Energie bezahlt, keine Zusage

Dasselbe Haus, 20.000 kWh Wärme im Jahr, gerechnet mit Durchschnittspreisen. Anschaffung, Wartung und Förderung sind nicht enthalten.

  • Heute mit Gas (12,23 ct/kWh): rund 2.450 €.
  • Heute mit Heizöl (2.000 Liter zu 175 € je 100 Liter, Wochenpreis vom 26.10.2026): rund 3.500 €.
  • Mit Luft-Wasser-Wärmepumpe, Jahresarbeitszahl 3,4, Haushaltsstrom 37,3 ct/kWh: rund 2.190 €. Erreicht die Anlage nur 2,6, sind es rund 2.870 €, dann teurer als Gas.
  • Mit Wärmepumpe und Photovoltaik, wenn ein Drittel des Wärmepumpenstroms vom eigenen Dach kommt: rund 1.610 €, die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh ist eingerechnet.

Mit einem eigenen Wärmepumpentarif (im Schnitt 29,0 ct/kWh, getrennter Zähler) wären es ohne PV rund 1.710 €. Die Verluste des alten Kessels sind nicht abgezogen, Gas und Öl stehen hier also eher zu günstig da. Ihre eigenen Zahlen stehen in Ihrer Jahresabrechnung.

Quellen: BDEW Gas- und Strompreisanalyse 10/2026; EU Weekly Oil Bulletin, 26.10.2026; co2online Heizspiegel 2026 (1 Liter Heizöl ≈ 10 kWh); Fraunhofer ISE, WP-QS im Bestand; HTW Berlin, Tjaden/Weniger 2014 (Simulation); Bundesnetzagentur, EEG-Fördersätze ab 01.08.2026.

Welche Bauart zum Altbau passt

Wer eine Luftwärmepumpe für den Altbau sucht, meint fast immer die Luft-Wasser-Wärmepumpe: Sie holt die Wärme aus der Außenluft und gibt sie an das Heizwasser der vorhandenen Heizkörper ab.

BauartIm AltbauBei uns
Luft-Wasser-WärmepumpeDer Normalfall im Altbau. Nutzt die vorhandenen Heizkörper und macht das Warmwasser.bieten wir an
Erdwärmepumpe (Sole-Wasser)Effizienter, braucht aber Bohrung oder Kollektor und eine wasserrechtliche Anzeige oder Erlaubnis.auf Anfrage über unsere Partnerbetriebe
Hochtemperatur-WärmepumpeLiefert heißeres Heizwasser für kleine Heizkörper, arbeitet dabei aber weniger effizient.auf Anfrage über unsere Partnerbetriebe
Luft-Luft-WärmepumpeHeizt die Raumluft wie ein Klimagerät, ersetzt keine Heizkörper-Heizung, meist ohne Warmwasser.auf Anfrage über unsere Partnerbetriebe

Hochtemperatur-Wärmepumpe: wenn die Heizkörper bleiben sollen

Einige Wärmepumpen schaffen Vorlauftemperaturen bis 70 Grad, das geht aber immer zulasten der Effizienz (Verbraucherzentrale). Sie sind eine Lösung, wenn sich Heizkörper nicht tauschen lassen, etwa im Denkmal. Meist ist es sparsamer, die zwei, drei Heizkörper zu vergrößern, die beim 55-Grad-Test kalt geblieben sind. Hochtemperatur-Geräte bekommen Sie auf Anfrage über unsere Partnerbetriebe.

Luft-Luft-Wärmepumpe: heizt die Luft, nicht das Haus

Eine Luft-Luft-Wärmepumpe bläst warme Luft in den Raum, wie ein Klimagerät, das auch kühlen kann. Die meisten Modelle machen kein Warmwasser, das braucht dann ein eigenes Gerät. Am besten eignen sie sich für Neubauten und gut gedämmte Altbauten. Im unsanierten Altbau kann die wärmere, feuchtere Raumluft an kalten Außenwänden Schimmel verursachen (co2online). Für ein Haus mit Heizkörpern ist sie deshalb kein Ersatz der Heizung, sondern höchstens ein Zusatzgerät für einzelne Räume, im unsanierten Haus mit dem genannten Schimmelrisiko. Luft-Luft-Geräte bekommen Sie auf Anfrage über unsere Partnerbetriebe.

Die beste Wärmepumpe für den Altbau: woran Sie sie erkennen

Einen Testsieger für alle Altbauten gibt es nicht, weil jedes Haus eine andere Heizlast hat. Ob Luftwärmepumpe oder Erdwärmepumpe: An diesen Punkten prüfen wir jedes Angebot, auch eines, das Sie schon haben:

  • Die Leistung passt zur berechneten Heizlast, nicht zu einer Faustformel je Quadratmeter. Eine zu große Wärmepumpe schaltet ständig an und aus, eine zu kleine braucht an kalten Tagen den Heizstab, eine teure elektrische Zusatzheizung.
  • Sie schafft die Vorlauftemperatur, die Ihr Haus braucht, auch an den kältesten Tagen, und zwar so niedrig wie möglich: Jedes Grad weniger spart 2 bis 3 Prozent Strom.
  • Der Aufstellort hält die Lärmgrenze beim Nachbarn ein (TA Lärm).
  • Hydraulischer Abgleich und Heizkurve stehen im Angebot, nicht nur das Gerät. Die Messung von Fraunhofer zeigt, dass hier die meisten Fehler entstehen.

Was wir dabei machen

Wir prüfen mit Ihnen Haus und Verbrauch, und wir denken an das, was sich ändern wird: Kommt in ein paar Jahren ein Elektroauto, gehört es in dieselbe Rechnung wie Wärmepumpe und PV. Die Montage übernehmen Partnerbetriebe, die wir vorher qualifiziert haben, bundesweit. Beim Förderantrag helfen wir, und den Stromtarif für die Wärmepumpe vergleichen wir mit. So läuft die Beratung zur Wärmepumpe im Altbau:

  • Erst das Gespräch per Telefon oder Video. Baujahr, Heizkörper, Verbrauch der letzten Jahre, und was beim 55-Grad-Test herauskam, wenn Sie ihn gemacht haben.
  • Dann der Vergleich. Hat Ihr Heizungsbauer schon ein Angebot gemacht, prüfen wir es und machen Ihnen ein Gegenangebot.
  • Dann die Ausführung durch einen Partnerbetrieb in Ihrer Region, mit dem Angebot, das Sie vorher gesehen haben.

Was Sie wissen sollten: Wenn Ihr Haus beim Test überall kühl bleibt, sagen wir Ihnen das, statt eine Wärmepumpe zu verkaufen, die dann mit dem Heizstab läuft. Ein Berater kommt auf Wunsch zu Ihnen vor Ort, deutschlandweit; per Telefon oder Video beraten wir genauso.

Wärmepumpe und Photovoltaik planen wir auf Wunsch zusammen, einzeln geht beides auch. Die Wärmepumpe braucht Strom, die Anlage auf Ihrem Dach liefert einen Teil davon, mit oder ohne Speicher. Im Winter liefert die Photovoltaik deutlich weniger; die Kombination spart vor allem in Übergangszeit und Sommer. Mehr unter PV + Wärmepumpe.

Was Hausbesitzer uns zur Wärmepumpe im Altbau fragen

Brauche ich eine Fußbodenheizung?

Nein. Es kommt nicht darauf an, ob Fußbodenheizung oder Heizkörper, sondern wie warm das Heizwasser sein muss. Ausreichend große Heizkörper kommen im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen aus wie eine Fußbodenheizung (Fraunhofer ISE).

Muss ich vorher dämmen?

Nicht unbedingt. Werden beim 55-Grad-Test alle Räume warm, geht es ohne. Neue Fenster oder eine gedämmte Kellerdecke senken die nötige Temperatur zusätzlich. Bleibt es überall kühl, kommt die Dämmung zuerst. Laut Verbraucherzentrale eignet sich ein Haus für die Wärmepumpe, wenn die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 Grad bleibt. Viele Gebäude erreichen das schon mit gezielten Dämmmaßnahmen und größeren Heizkörpern.

Warum nicht einfach wieder eine Gasheizung?

Erlaubt ist das. Eine Gasheizung, die nach dem 29.07.2026 eingebaut wird, muss aber ab 2029 einen Teil Biogas einsetzen: 10 Prozent, bis 2040 steigend auf 60 Prozent (§ 43 GModG). Für die Wärmepumpenheizung im Altbau gibt es keine solche Quote. Die frühere Regel „65 Prozent erneuerbar für jede neue Heizung“ gibt es seit 2026 nicht mehr.

Kann ich die Gasheizung behalten und eine Wärmepumpe dazubauen?

Ja, das nennt man Hybridheizung: Die Wärmepumpe heizt den größten Teil des Jahres, der Kessel springt an den kältesten Tagen ein. Das kann eine Lösung sein, wenn beim 55-Grad-Test viele Räume kühl bleiben und die Dämmung erst später kommt. Sie betreiben dann aber zwei Anlagen, mit zwei Wartungen. Für einen vorhandenen Kessel gilt die Biogas-Quote nicht, sie trifft nur Gasheizungen, die nach dem 29.07.2026 eingebaut werden. Laut Verbraucherzentrale ist eine Hybridheizung für Gebäude interessant, die für eine reine Wärmepumpe noch nicht bereit sind; Sie bleiben dabei aber von fossilen Brennstoffen abhängig. Für einen neu eingebauten Gaskessel verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz ab 2029 einen steigenden Anteil Bioenergie (Verbraucherzentrale, Stand 20.10.2026).

Ist die Wärmepumpe im Altbau laut?

Die Außeneinheit darf beim Nachbarn nachts im allgemeinen Wohngebiet höchstens 40 dB(A) erreichen, im reinen Wohngebiet 35 dB(A) (TA Lärm, Nr. 6.1). In dicht bebauten Straßen entscheidet deshalb der Aufstellort mit. Den suchen wir mit dem Partnerbetrieb vor dem Angebot aus.

Darf der Netzbetreiber meine Wärmepumpe abschalten?

Abschalten nicht, dimmen ja: Neue Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW müssen sich vom Netzbetreiber herunterregeln lassen, 4,2 kW bleiben immer verfügbar. Dafür bekommen Sie ein reduziertes Netzentgelt (§ 14a EnWG, Bundesnetzagentur).

Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau, und was zahlt die KfW?

Das hängt von Heizlast, Heizkörpern und Wärmequelle ab. Teurer wird es, wenn Heizkörper getauscht werden oder Erdwärme gebohrt wird. Unsere Preisspanne steht unter Wärmepumpe Kosten, die Zuschüsse der KfW und ihre Bedingungen unter Wärmepumpe Förderung. Wichtig: Der Antrag muss vor dem Einbau gestellt sein, eine schon eingebaute Heizung fördert die KfW nicht.

Quellen, abgerufen am 22.10.2026: Fraunhofer ISE, Presseinformation #30 vom 03.11.2025 zum Projekt „WP-QS im Bestand“ (ise.fraunhofer.de); Verbraucherzentrale Bundesverband, Pressemitteilung vom 29.06.2023 „So funktioniert die Wärmepumpe im Altbau“; Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, „Wann laufen Wärmepumpen im Altbau optimal?“; co2online, Luft-Luft-Wärmepumpe (Stand 23.09.2026); KfW, Heizungsförderung für Privatpersonen (458); Gebäudemodernisierungsgesetz § 43, zuletzt geändert am 23.07.2026; Bundesnetzagentur, Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG; TA Lärm vom 26.08.1998, Nr. 6.1.

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